?Wir fanden eine erstaunliche Vielfalt vor. Manche Sedimente entsprachen den typischen Ablagerungen, wie sie heute unter einem Eisschild wie am Crary Ice Rise vorkommen. Andere hingegen waren typischer für offenes Meer oder für Schelfeis, das auf dem Ozean schwimmt, oder für eine Schelfeiskante am Rand, wo die Eisbl?cke abbrechen?, sagt Co-Projektleiterin Molly Patterson, Professorin für Geologie an der Binghamton University in den USA.
Muschelreste und ?berreste von Meeresorganismen, die Licht zum ?berleben ben?tigen, deuten darauf hin, dass in der Westantarktis zeitweise offenes und eisfreies Meer war. Forschende haben bereits zuvor vermutet, dass in dieser Region früher ein offener Ozean gewesen war. Dieser Befund würde auch nahelegen, dass sich das Ross-Schelfeis einst teilweise oder sogar vollst?ndig zurückgezogen haben k?nnte und m?glicherweise der Westantarktische Eisschild einst auch zusammenbrach.
Die Ungewissheit dieser Vermutung besteht darin, in welchen Perioden dies genau der Fall war. Das wollen die Forschenden in SWAIS2C nun herausfinden – und auch, welche Umweltfaktoren den Rückzug des Eisschilds beeinflussten, erkl?rt Patterson.
Rekord-Bohrung im dritten Versuch gemeistert
Die Bohrung und Bergung des Sedimentkerns ist das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit und eine technische Meisterleistung: Für die 29 Wissenschaftler:innen, Bohrtechniker:innen, Ingenieur:innen und Polarexpert:innen war der Erfolg zun?chst alles andere als sicher. Zwei frühere Bohrversuche des SWAIS2CProjekts waren an technischen Schwierigkeiten gescheitert. Das kam nicht unerwartet: Schliesslich barg noch nie jemand zuvor geologische Sedimente aus solcher Tiefe unter einem Eisschild und so weitab von jeder Versorgungsstation.
?Soweit wir wissen, waren die bisher l?ngsten unter einem Eisschild gebohrten Kerne kürzer als zehn Meter. Wir haben unser Ziel von 200 Metern deutlich übertroffen. Das ist Antarktis-Pionierforschung, wie sie leibt und lebt?, sagt Patterson.
Das 29-k?pfige Team arbeitete im Schichtbetrieb rund um die Uhr mit einem eigens entwickelten Bohrsystem (Details sind externe Seite hier publiziert). Um an die schwer zug?nglichen Sedimente zu gelangen, schmolz das Team zun?chst mit einer Heisswasserbohrung ein Loch durch das 523?Meter dicke Eis. Anschliessend liessen sie mehr als 1300?Meter Steigrohre und Bohrstr?nge in die ?ffnung hinab. Sobald der Kern an die Oberfl?che geholt war, dokumentierten die Forschenden die Sedimentr?hren und entnahmen die Proben.