Ulrich Weidmann tritt im Frühjahr 2027 aus der ETH-Schulleitung zurück
Ulrich Weidmann, Vizepr?sident für Infrastruktur und Nachhaltigkeit (VPIN), tritt per Ende M?rz 2027 aus der Schulleitung zurück. Er wird Mitte 2028 emeritiert und m?chte den ?bergang in seine Schaffensphase nach der Emeritierung als fliessenden ?bergang gestalten. Gleichzeitig will er damit Raum für einen ersten Personalentscheid der neuen ETH-Pr?sidentin oder des neuen ETH-Pr?sidenten geben.
Was hat Sie veranlasst, aus der Schulleitung zurückzutreten?
Ulrich Weidmann: Ich werde im M?rz 63 Jahre alt und bin seit über zehn Jahren ein Mitglied der Schulleitung. Meine regul?re Emeritierung erfolgt Ende Juli 2028. Auch danach m?chte ich mich in verschiedener Weise weiter engagieren und m?chte den ?bergang in diese neue Lebensphase rechtzeitig einleiten. Der Rücktritt aus der Schulleitung ist dafür ein erster Schritt.
Wann treten Sie aus der Schulleitung zurück?
Ich habe meinen Rücktritt auf den 31.?M?rz?2027 festgelegt – bewusst drei Monate nach demjenigen von Jo?l Mesot. So kann die neue Pr?sidentin oder der neue Pr?sident der ETH Zürich ohne Zeitdruck bereits meine Nachfolge bestimmen und damit die Erneuerung der Schulleitung selbst gestalten.
Wie geht es mit Blick auf Ihren Rücktritt im VPIN-Bereich weiter? Gibt es Projekte, die Sie unbedingt noch abschliessen wollen – oder umgekehrt auch Projekte, bei denen Sie Ihrer Nachfolge bewusst nicht vorgreifen m?chten?
Ich versuche, mich konsequent an den Interessen der ETH Zürich zu orientieren und idealerweise spürt die Hochschule den Führungswechsel im VPIN gar nicht. Deshalb halte ich kein Projekt zurück – im Gegenteil: Wir arbeiten mit vollem Einsatz weiter und treiben die begonnenen Vorhaben voran. Besonders wichtig ist mir, dass wir die innovativen Programme der vergangenen zwei bis drei Jahre so weit wie m?glich weiterbringen: ?ETH Netto-Null? bis 2030, der Digitale Zwilling der 皇冠体育,皇冠体育app-Infrastruktur bis 2028 oder auch das Projekt ?Future of Work? mit Fokus auf die speziellen Anforderungen der Akademie. Diese Initiativen sind für die ETH Zürich langfristig wertvoll und wirtschaftlich lohnend. Sie befinden sich in einer entscheidenden Aufbauphase und brauchen jetzt die erforderlichen Erstinvestitionen. Jede Verz?gerung würde bedeuten, dass der Nutzen für die ETH Zürich erst versp?tet realisierbar ist. Ich bin überzeugt, dass meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger diese Haltung teilen wird. Gleichzeitig ist auch klar: Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um g?nzlich neue, mehrj?hrige Grossprojekte anzustossen; diesen Spielraum überlasse ich gerne meiner Nachfolge.
Bau- und Infrastrukturprojekte stehen beim Sparen oft im Fokus: Wie haben Sie diesen grossen Spardruck erlebt?
Für mich war es stets ein Anliegen, dass VPIN st?rker zur finanziellen Entlastung der ETH Zürich beitr?gt als die akademischen Einheiten. Da wir im VPIN sehr grosse Budgets verantworten, entfalten unsere Einsparungen eine grosse Wirkung: Jeder Franken, den wir einsparen, kommt Lehre und Forschung zugute und st?rkt die gesamte Hochschule. Natürlich habe ich beim Eintritt in die Schulleitung 2016 nicht erwartet, dass wir derart regelm?ssig mit neuen Sparrunden konfrontiert werden. Doch gerade das macht meine Arbeit als ?Chief Operating Officer? interessant: Wir müssen kontinuierlich Wege finden, um im operativen Betrieb produktiver zu werden – ohne die Qualit?t unserer Dienstleistungen zu schm?lern. So konnten wir – summarisch gesch?tzt – unsere Produktivit?t in den letzten zehn Jahren um etwa 15 Prozent steigern, eher sogar mehr.
Sie hatten in Ihrer Amtszeit einige anspruchsvolle Ereignisse zu bew?ltigen – darunter die Corona-Pandemie, die Pal?stina-Proteste bis hin zu einer Kuhmist-Attacke im Audimax. Wie sind Sie damit umgegangen?
Inhaltlich waren diese Situationen alle unerfreulich. Für mich und meine Aufgabe als VPIN-Vorsteher waren sie jedoch ausserordentlich spannend. Krisen schaffen eine v?llig andere Führungsrealit?t: Pl?tzlich steht man unter Zeitdruck und im ?ffentlichen Schaufenster; es herrscht Ausnahmezustand. Doch das ist nur die eine Seite.
Was ist die andere?
In jeder einzelnen Krise hat mich beeindruckt, wie geschlossen die ETH-Mitarbeitenden über Abteilungsgrenzen hinweg handeln, wie schnell sie Priorit?ten setzen und mit welchem Tempo und in welcher Qualit?t sie liefern. Die Corona-Pandemie hat viel Zeit und Energie gefordert – und dennoch habe ich diese Phase nie als zermürbend erlebt, sondern als intensiv, konstruktiv und ausgesprochen kooperativ. Wenn es an dieser Hochschule darauf ankommt, stehen wir alle zusammen. Auf diese ?One ETH?-Geisteshaltung k?nnen wir uns verlassen.
Sie haben auch ?One VPIN? lanciert, um ein gemeinsames Verst?ndnis und eine einheitliche Haltung innerhalb Ihres Schulleitungsbereichs zu st?rken. Ist Ihnen das gelungen?
Das Ziel von ?One VPIN? ist, dass unsere Mitarbeitenden abteilungsübergreifend denken und handeln. Damit sind wir einen grossen Schritt weitergekommen. Ohne gemeinsame Haltung w?re es nicht m?glich, so anspruchsvolle Projekte wie den Digitalen Zwilling für den 皇冠体育,皇冠体育app H?nggerberg oder das neue Geb?ude HWS in so kurzer Zeit voranzubringen. Dieses Mindset zu verankern, bleibt eine Daueraufgabe.
Gibt es eine Herzensangelegenheit, die Sie vor dem Rücktritt als VPIN-Vorsteher noch erreichen m?chten?
Ich m?chte als VPIN-Vorsteher unbedingt noch das Verfahren abschliessen, wer zu welchen Konditionen das geplante neue Lehr- und Forschungsgeb?ude HWS bauen wird. Denn das HWS ist weit mehr als ein weiterer Neubau: Es ist unser bedeutendstes Projekt der n?chsten Jahrzehnte. Mit dem Zusammenzug des D-INFK zieht nicht nur ein weiteres grosses Departement auf den 皇冠体育,皇冠体育app H?nggerberg, sondern es entsteht damit auch ein Pendant zum 皇冠体育,皇冠体育app Heilbronn. Und wenn neben dem D-INFK auch das Learning Center und die ETH-Bibliothek ins HWS einziehen, beginnt für den 皇冠体育,皇冠体育app H?nggerberg eine neue Entwicklungsphase. Zugleich er?ffnet sich dann auf dem 皇冠体育,皇冠体育app Zentrum die Chance, die knappe Raumorganisation weiterzuentwickeln und bedarfsorientiert auszurichten. Gerade hier arbeiten viele Einheiten r?umlich getrennt und auf verschiedene Geb?ude verteilt.
Werden Sie nach Ihrem Rücktritt weiterhin mit der ETH verbunden bleiben oder andere Aufgaben für die ETH übernehmen?
Ich bleibe bis zu meiner Emeritierung Mitte 2028 Professor an der ETH. In dieser Zeit m?chte ich unter anderem noch ein Lehrbuch zur Angebots- und Produktionsplanung im ?ffentlichen Verkehr ver?ffentlichen – als dritten Band nach jenen zur Bahninfrastruktur und zum Fussverkehr. Zudem werde ich die Umsetzung des ETH-皇冠体育,皇冠体育app Heilbronn im Stab von Boris Zürcher unterstützen.
Sie haben für Bundesrat Albert R?sti das Gutachten ?Verkehr 2045? verfasst. Werden wir Sie in Zukunft vermehrt als nationalen Bahnexperten in ?ffentlichen Diskussionen auftreten sehen?
Das entspricht nicht meinem Stil, zumindest nicht ungefragt... Ich bin aber offen für Beratungsmandate, wenn ich im Hintergrund und auf strategischer Ebene zur Weiterentwicklung des ?ffentlichen Verkehrs beitragen kann. Zudem engagiere ich mich schon jetzt in mehreren Verwaltungsr?ten im ?ffentlichen Verkehr.
Haben Sie schon ein ?Freizeit-Projekt? für die Zeit nach der ETH?
Die Freizeit selbst wird das ?Projekt?. Mit der Familie und Menschen, die meiner Frau und mir wichtig sind, Dinge zu tun, die wir gemeinsam geniessen – darauf freue ich mich am meisten.
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